Bio-Baumwolle:
Die ökologische Alternative überzeugt

Baumwolle ist uns zu einem täglichen Begleiter geworden. Von der Unter­wäsche über das T-Shirt und die Jeans bis hin zum Putzlappen: Jeder hat irgend­etwas aus Baumwolle im Schrank. „Das weiße Gold“ ist die wirtschaftlich bedeu­tendste unter den Naturfasern.

Der Anteil der Rohbaum­wolle am Weltfa­ser­markt liegt bei ungefähr 30%. Sie wird in über 100 Ländern der Welt angebaut, haupt­sächlich in Indien, China und den USA.

Im Gegen­satz zu Kunst­fasern ist sie sehr saugfähig. Ist sie aller­dings erst einmal nass geworden, trocknet sie nur langsam. Baumwolle fühlt sich auf der Haut gut an, kratzt nicht und gilt als hautfreund­lich. Sie ist pflege­leicht, weil sie verhält­nis­mäßig wenig knittert, bei heißen Tempe­ra­turen gewaschen werden kann und recht wider­stands­fähig gegen­über Motten ist.

Aber Baumwolle ist nicht gleich Baumwolle.  Aus der Sicht der Nachhal­tigkeit ist die beliebte Faser aller­dings – konven­tionell angebaut – auch das Sorgen­kind unter den Naturfasern.

Gentechnik- Baumwolle: mehr Fluch als Segen

Im Jahr 2014 war 68% der weltweit angebauten Baumwolle aus gentech­nisch verän­dertem Saatgut gezogen. Durch einen Eingriff in die DNA einer Pflanze kann man sie im Labor mit Eigen­schaften ausstatten, die sie von Natur aus nicht hat. Durch Genma­ni­pu­lation entsteht beispiels­weise eine Baumwoll­pflanze, die resis­tent gegen Insekten und Pilze ist oder auch unemp­findlich gegen Unkrautvernichtungsmittel.

Das hat zur Folge, dass zunächst weniger Pflan­zen­schutz­mittel einge­setzt werden müssen und Ernten ertrag­reicher ausfallen. Leider halten diese positiven Effekte nicht sehr lange an. Insekten und Pilze entwi­ckeln ebenso Resis­tenzen wie sie dies gegen synthe­tische Pflan­zen­schutz­mittel tun.

Gentech­nisch verän­derte Pflanzen sind unfruchtbar. Das bedeutet, dass die Bauern keine Samen aus den Pflanzen gewinnen können, sondern jedes Jahr neues und teures Saatgut kaufen müssen. So bleibt nach der Ernte weniger Geld übrig und wetter­be­dingte Ernte­ein­bußen lassen sich kaum noch ausglei­chen. Viele Baumwoll­bauern müssen Kredite für neues Saatgut aufnehmen. Die Farmer geraten so in eine Schul­den­spirale.

Gentechnik ist noch immer ein unkon­trol­lierter Feldver­such, der nicht ausrei­chend erforscht und  nicht umkehrbar ist. Studien zu den Auswir­kungen von Genma­ni­pu­lation auf Mensch und Umwelt sind haupt­sächlich im Auftrag von Saatgut-Konzernen beauf­tragt worden und beschei­nigen natür­lich eine Unbedenk­lichkeit. Gegen­studien von Organi­sa­tionen wie Green­peace geben Anlass zur Sorge.

Der Anbau von gentech­nisch verän­derten Pflanzen lässt sich nicht auf eine bestimmte Fläche begrenzen. Gentech­nisch verän­derte Pflanzen breiten sich unkon­trol­liert aus. Wind und Insekten tragen die Pollen der manipu­lierten Pflanzen kilome­terweit, sodass die Pollen die verän­derten Gene auf herkömm­liche Pflanzen übertragen– auch auf ökolo­gisch bewirt­schaf­teten Feldern.

Zum einen bedeuten die GVO Pflanzen so eine Bedro­hung der gentech­nik­freie Landwirt­schaft ganz allge­mein. Zum anderen gehen im Lauf der Jahre mehr und mehr ursprüng­liche Baumwoll- und auch Insek­ten­arten verloren. Der Anteil gentech­nisch verän­derter Baumwolle am Baumwoll­anbau weltweit lag 2014 bei knapp 70% (www.transgen.de).  Der massivste Einsatz fand in diesem Jahr in den USA (96%), Indien (95%) und China (93%) statt.

 

Pestizide & Dünger: Gift für Boden, Wasser und Menschen

Knapp ein Viertel der weltweit ausge­brachten synthe­ti­schen Pflan­zen­schutz­mittel wird auf Baumwoll­feldern ausge­bracht, die nur ca. 2,5% der Agrar­flächen belegen. Hinzu kommen synthe­tische Dünger und Unkraut­ver­nichter. Der Einsatz dieser Mittel ist im Öko-Anbau nicht erlaubt. Statt­dessen werden natür­liche Mittel wie Humus und Pflan­zen­jauchen einge­setzt, die weder Boden noch Grund­wasser belasten, oder mecha­nische Methoden, also Unkraut hacken oder das Einsam­meln von Schädlingen.

 

Wassermanagement: von rain fed zu 10.000 Liter

Konven­tio­nelle Baumwolle ist die wasser­in­ten­sivste Natur­faser. Schuld an diesem hohen Wasser­ver­brauch sind monokul­tu­reller Anbau, schlechte Stand­ortwahl und schlechte Bewäs­se­rungs­systeme. Der Bio-Anbau macht es besser. In geför­derten Bio-Anbau­­pro­jekten lernen Farmer, wie sie ihre Felder effizient bewäs­sern können. Durch den Einsatz von Tröpf­chen- oder Furch­en­be­wäs­serung kann eine Wasserer­sparnis von ungefähr 40% erreicht werden. Biolo­gisch bewirt­schaf­teter Boden speichert mehr Wasser.

 

Entlaubungsmittel

Um eine maschi­nelle Ernte der konven­tio­nellen Baumwoll­flächen zu ermög­lichen, werden die Blätter der Pflanze mit hochgif­tigen Entlau­bungs­mitteln entfernt. Bei Bio-Baumwolle ist auch dieses Entlauben nicht zugelassen. Viele der Bauern ernten per Hand.

Im konven­tio­nellen Baumwoll­anbau werden die Felder kurz vor der Ernte mit einem Herbizid gespritzt, das die Blätter welken, und schließ­lich die Pflanze absterben lässt.

Ein Grund dafür ist, dass die Ernte­ma­schinen nicht beson­ders feinfühlig vorgehen. Sie ernten Baumwoll­kapseln und Blätter und quetschen beides zusammen. Maschi­nell vom grünen Strauch geern­tete Baumwolle wäre mit Blatt­schnipseln durch­setzt und grün vom Blatt­farb­stoff, und Sie wissen sicher, wie schwer Grasfle­cken aus Baumwolle heraus zu bekommen sind.

Der Haupt­grund ist aber ein anderer: An einem Baumwoll­strauch werden nicht alle Frucht­kapseln gleich­zeitig reif. Eine Maschine kann aber nicht zwischen reifen und unreifen Kapseln unter­scheiden. Um die gleich­zeitige Reifung aller Frucht­kapseln zu erzwingen, bedient man sich eines biolo­gi­schen Tricks. Jede Pflanze reagiert auf eine schwere Verlet­zung mit einer sogenannten “Notreife”. Die Pflanze sichert ihren Fortbe­stand, in dem sie, bevor sie abstirbt, ihre noch unreifen Früchte in einem beschleu­nigten Prozess zumin­dest zur Keimfä­higkeit reifen lässt. Das bringt zwar nicht die beste Qualität, für die Pflanze ist es aber besser als gar keine Nachkommen zu erzeugen. Die “schwere Verlet­zung” sämtli­cher Pflanzen eines Feldes wird am ratio­nellsten mit einem Entlau­bungs­mittel oder Nerven­gift hervorgerufen.

Die Neben­wir­kungen sind mannig­faltig. Das Entlau­bungs­mittel wird kurz vor der Ernte ausge­bracht. Die Baumwoll­kapseln, die zu diesem Zeitpunkt bereits geöffnet sind, saugen das Pflan­zengiftauf.  Es findet sich also in hoher Konzen­tration in der Rohbaum­wolle, was beson­ders für die Arbeiter der ersten Verar­bei­tungs­schritte sehr gesund­heits­schädlich ist. Ein großer Anteil des Giftes gelangt in den Boden und somit auch ins Grund­wasser. Ein Teil des Mittels verbleibt für einige Zeit in der Erde, verhin­dert die Ansie­delung anderer Pflanzen und der Boden ist der Erosion schutzlos ausge­liefert. Auch wenn das Herbizid so weit abgebaut ist, dass neu ausgesät werden kann, sind immer noch Reste vorhanden, die die Pflanzen schwä­chen. Diese Schwäche muss durch einen verstärkten Einsatz von Pflan­zen­schutz­mitteln und Dünger ausge­glichen werden. Die vor der Zeit künst­lich gereiften Baumwoll­kapseln enthalten minder­wertige Fasern. Diese sind mit den hochwer­tigen untrennbar vermischt. Das Material ist also insge­samt schlechter als es sein könnte.

 

Dumpingpreise auf Kosten von Anderen

 Von den 27 Millionen Menschen, die weltweit im Baumwoll­anbau tätig sind, leben über 99% in Entwick­lungs­ländern. Das bedeutet für die Bauern  Armut, Bildungs­mangel und Gesundheitsrisiken.

  • Für das teure Gentechnik-Saatgut und Chemi­kalien verschulden sich Bauern und ihre Familien hoch. Selten deckt die Ernte die Schulden ab und die Existenz der Bauern ist stark bedroht.
  • Oftmals werden Bauern nicht ausrei­chend darüber aufge­klärt, dass beim Umgang mit Chemi­kalien auf den Feldern Schutz und Vorsicht lebens­wichtig In den Medien sieht man Bilder von Famili­en­vätern, die in einen soeben geleerten Dünge­­mittel-Kanister mit Wasser für das Kochen des Abend­essens füllen oder schwan­gere Frauen, die barfuß in Lachen von Spritz­mitteln stehen. Schuld sind ein unzurei­chendes Problem­be­wusstsein bei den Bauern und eine mangel­hafte Kennzeich­nung seitens der Chemikalienhersteller.
  • Atemschutz­masken sind unbekannt oder zu teuer. Es gibt keine zuver­läs­sigen Zahlen, wie viele Pesti­zid­ver­gif­tungen weltweit auftreten. In wissen­schaft­lichen Berichten wird aber einstimmig von einer steigenden Zahl an Vergif­tungen und tödli­chen Vorfällen in den letzten Jahren gespro­chen. Ging man in den 1970er Jahren noch von 500.000 Vergif­tungen und 5.000 Toten aus, so schätzt man die Zahl in den letzten zehn Jahren auf bis zu 5 Millionen Vergif­tungen und 200.000 Tote4 — und dies ist eine Dunkelziffer.

Beim Bio-Anbau sind diese Aspekte natür­lich weniger gravie­rend.  Auch wenn derzeit viele größere Handels­ketten verstärkt Bio-Baumwolle für ihre Produkte einsetzen, liegt der Anteil von zerti­fi­zierter (also kontrol­lierter) Bio-Faser am Baumwoll­markt noch immer unter 2%.

Es geht auch fair


Über den Bio-Anbau hinaus gibt es noch einen weiteren Schutz für die Bauern, den Fairen Handel, das bei uns bekannte FairTrade Siegel zum Beispiel. Es schreibt zwar nicht den ökolo­gi­schen Anbau von Baumwolle vor, stellt aber sicher, dass die Menschen auf den Feldern genügend Einnahmen haben, um ihre Familien zu ernähren und ihre Kinder in die Schule schicken zu können. Abnah­me­ga­rantien, langfris­tige Verträge mit stabilen Preisen und ein Bonus für fair angebaute Baumwolle verhin­dern, dass die Bauern hungern müssen.

Dennoch ist es mit dem Bio-Anbau von Baumwolle und dem Zahlen fairer Löhne an die Bauern nicht getan, wenn man ein Kleidungs­stück herstellen möchte, das die Umwelt nicht belastet, Menschen nicht ausbeutet und bei Verbrau­chern keine Aller­gien auslöst.

Denn die Produk­ti­ons­kette eines Kleidungs­stückes ist lang: Geern­tete Baumwolle muss gerei­nigt und entkörnt werden, sie muss versponnen und gestrickt oder verwoben werden. Dann wird aus dem Stoff ein Kleidungs­stück genäht – mit Zutaten wie beispiels­weise Reißver­schlüssen, Nähgarnen, Schul­ter­polstern, Knöpfen. Dies ist der Arbeits­schritt, der in Sachen Menschen­rechte und Arbeits­si­cherheit beson­ders problem­be­lastet ist, denn er geschieht zum großen Teil in Billig­lohn­ländern. Menschen – auch Kinder –, die 15 Stunden am Tag in engen, dunklen, schlecht belüf­teten Räumen ohne Pause unsere Kleider nähen, sind dort eher die Regel als die Ausnahme.

Sie tun dies für einen Hunger­lohn ohne Schutz­maß­nahmen, wie Atemmasken, Handschuhe, von Filter­an­lagen oder Flucht­wegen ganz zu schweigen. Auch hier gibt es Programme, die sich dieser Probleme annehmen. Die Fair-Wear-Organi­­sa­tion ist eines der anspruchs­vollsten Programme, wenn es um Arbeits­be­din­gungen und die Bezah­lung in den Konfek­ti­ons­be­trieben weltweit geht, aber auch der Global Organic Textile Standard GOTS und NATURTEXTIL BEST bewerten die Entloh­nung und Arbeits­be­din­gungen von Nähern und Näherinnen.