Immer wieder berich­teten die Medien in letzter Zeit über tierquä­le­ri­sche Methoden im Zuge der Erzeu­gung von Schaf­wolle, dem „Mulesing“. Darunter versteht man einen opera­tiven Eingriff bei Lämmern, bei dem die Hautfalten in der After­re­gion ohne Betäu­bung mit einer extra dafür entwi­ckelten scharfen Schere heraus­ge­schnitten werden. Es gibt keine Desin­fek­tion, damit die Wunde verheilen kann, und auch keine Nachun­ter­su­chung oder -versor­gung.

Grund für diese tierquä­le­ri­sche Maßnahme, bei der die Tiere quasi wie am Fließ­band brutal „beschnitten“ und schwer trauma­ti­siert werden, ist der Befall der Merino­schafe durch die Schmeiß­fliege blowfly, die in Austra­lien weit verbreitet ist, nicht jedoch in Europa oder Südafrika, woher ebenfalls ein Großteil der Merino­wolle kommt. Das Insekt legt seine Eier bevor­zugt in den Hautfalten ab, wo es feucht-warm ist und Kot und Urin einen idealen Nährboden bieten. Die ausge­schlüpften Maden dringen in die Haut und Unter­haut der Tiere ein, infizieren sie und rufen schwere Entzün­dungen hervor, an denen sie verenden können. Die stark bewollten Merino­schafe sind beson­ders von blowfly-Befall betroffen, da sie gezielt falten­reich auf maximalen Ertrag hin gezüchtet wurden.

Handel lehnt “Mulesing” ab

Seit den Protesten insbe­son­dere der weltweit aktiven Tierschutz­or­ga­ni­sa­tion Peta (People for the Ethical Treat­ment of Animals) ist einiges in Bewegung geraten. Weil auch der Handel zuneh­mend nach Mulesing-freier Ware fragt, hat die austra­li­sche Wollin­dus­trie zugesi­chert, ab 31. Dezember 2010 auf „Mulesing“ zu verzichten. Für die Übergangs­zeit und bis andere schmerz­freie Methoden ausge­reift sind, wurde beschlossen, die Tiere vor dem Eingriff zu betäuben.

Auch wird bereits das so genannte Clip-Mulesing angewendet. Hierfür wird den Tieren die Hautfalte am After mittels eines Clips so stark abgeklemmt, so dass die Haut abstirbt und abfällt. Diese Methode wird von Tierschüt­zern wie auch vom Handel aber als inakzep­tabel bezeichnet, da sie ebenfalls große Schmerzen bei den Merinos erzeugt. Langfris­tiges Ziel ist die Züchtung von Schafen mit falten­armer Haut, die Schmeiß­fliegen keine Nischen bietet. Bis eine solche Schafrasse zur Verfü­gung steht, werden aber noch zehn Jahre vergehen.


Was können Verbrau­cher tun?

Der komplette Verzicht von Beklei­dung aus Merino­wolle ist nach Ansicht des Inter­na­tio­nalen Verbandes der Natur­tex­til­in­dus­trie e.V. (IVN) nicht sinnvoll. Er rät dazu, Beklei­dung aus Merino­schur­wolle zu bevor­zugen, die aus kontrol­liert biolo­gi­scher Tierhal­tung (kbT) stammt. Sie ist an dem Label „NATURTEXTILIVN zerti­fi­ziert BEST“ erkennbar, für die 100 Prozent kbT-Wolle vorge­schrieben ist. Ein Anteil von mindes­tens 70 Prozent kbT-Wolle ist für Beklei­dung vorge­schrieben, die nach dem neuen Global Organic Textile Standard (GOTS) erzeugt wird. Die übrigen Fasern können z.B. Baumwolle oder Leinen sein, nicht jedoch Merino aus konven­tio­neller Erzeu­gung.

Viele Textil­an­bieter beziehen ihre biolo­gisch oder auch konven­tio­nell erzeugte Wolle inzwi­schen aus Südafrika, aus Südame­rika – und hier insbe­son­dere aus Patago­nien — oder auch aus europäi­scher Erzeu­gung, wo es kein „Mulesing“ gibt. Die austra­li­sche kbT-Schaf­wolle, wird von der National Associa­tion of Sustain­able Agricul­ture Australia Ltd., kurz NASAA, kontrol­liert. Sie verbietet das „Mulesing“ zwar nicht grund­sätz­lich, es ist aber nur in Ausnahmen gestattet, wenn herkömm­liche Maßnahmen wie das Scheren der After­re­gion nicht erfolg­reich sind.

Nicht zuletzt haben einige Massen­an­bieter in der jüngeren Vergan­gen­heit erklärt, sie würden auf gemuleste Wolle verzichten oder den Umstieg auf Mulesing-freie Rohware voran­treiben. Dazu zählen der Sport­ar­ti­kel­an­bieter Adidas, der Anbieter von Business­mode Hugo Boss und das Modehaus C&A.
Engagierte Anbieter geben auf Nachfrage gerne Auskunft, in welchem Land die Wolle erzeugt wurde.