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Pressemitteilung

Inter­na­tio­naler Verband der Natur­tex­til­wirt­schaft e.V.

30.03.2020

Naturtextilbranche reagiert mit Kreativität und Zusammenarbeit auf Corona

 

Während gerade überall zu lesen ist, dass die Modebranche kurz vor dem Kollaps steht und Finanz­mittel von der Regie­rung fordert, arbeiten viele Textil- und Leder­un­ter­nehmen mit ethischem Hinter­grund aktiv und gemeinsam an kreativen Lösungen, um nicht schließen zu müssen.

Es zeigt sich gerade jetzt, dass kleinere Nachhal­tig­keit­spio­niere einige Vorteile gegen­über den Handels­riesen und  großen Brands haben. Flexi­bi­lität, eine starkes Band zwischen Liefe­ranten und Kunden sowie Glaub­wür­dig­keit zahlen sich jetzt aus.

Beweglichkeit ist Trumpf

Die prekäre wirtschaft­liche Situa­tion im statio­nären Einzel­handel zwingt Unter­nehmen dazu, neue und kreative Wege einzu­schlagen. Eine enge und empha­ti­sche Kunden­bin­dung sowie die Flexi­bi­lität kleinerer Ladner ebnet diesen Weg. Und die Ideen und Maßnahmen sind vielfältig. Einige leiten ihre Waren auf den Online-Handel um, bieten einen Liefer­ser­vice an.  Life-Videos aus den Läden, die die Ware präsen­tieren und erklären oder Mitmach­ak­tionen für Verbrau­cher sind weitere Beispiele. Auch Hersteller bzw. Brands denken um. Beispiels­weise stellen einige Unter­nehmen Gesichts­masken her, die den Umsatz­rück­gang etwas abfedern, andere legen kurzfristig den Produk­ti­ons­schwer­punkt auf Basic-Produkte, die sich gut online vermarkten lassen.

 

Lieferkettensicherheit

Die Leder- und Textil­in­dus­trie hat derzeit nicht nur das Problem wegbre­chender Umsätze. Die fragilen globalen Märkte, die für große Konzerne Rohstoffe und Dienst­leis­tungen liefern, werden momentan zur Bedro­hung. Wenn in China und Bangla­desch die Wirtschaft still steht, kommt der deutsche Modemarkt kurzfristig nicht mehr ausrei­chend an Ware heran. Die Unter­nehmen, die in Deutsch­land oder in anderen wirtschaft­lich stabilen Ländern produ­zieren, sind jetzt im Vorteil.  Einige der Unter­nehmen, die Rohware aus dem Ausland beziehen, ordern diese jetzt schon für den nächsten Produk­ti­ons­zy­klus, einer­seits um dem Liefe­ranten eine gewisse Sicher­heit zu geben, ander­seits um gerüstet zu sein für die Zeiten nach Corona.

Gemeinschaftsgedanke

Eine ethische Geschäfts­praxis bedeutet nicht nur ökolo­gi­sches und sozial­ver­ant­wort­li­ches Handeln in Bezug auf die Liefer­ketten. Glaub­wür­dig­keit, Vertrauen und Empathie sind jetzt ebenso wichtig, wenn die Modein­dus­trie sich nicht in Preis­dum­ping  und knall­hartem Konkur­renz­kampf verlieren will. In der Presse ist die Rede von Milli­ar­den­stornos, Corona-Schnäpp­chen und Konkursen. Dass es auch anders geht, zeigen viele IVN Mitlieder.  Liefe­ranten berichten uns, dass sie von sich aus Bestel­lungen bis Ende April zurück­halten, um dem Handel finan­ziell Luft zu lassen, Händler halten in der Regel zumin­dest Rücksprache mit ihren Liefe­ranten, wenn sie nicht in der Lage sind, eine komplette Order abzurufen. Händler mit Online­shops nehmen spontan Ware von befreun­deten Brands mit auf, auch wenn die Produkte nicht ins firmen­ei­gene Portfolio passen. Brands bewerben in den sozialen Medien die Absatz­ka­näle ihrer Kunden, Bestel­lungen werden gebün­delt. Man spricht mitein­ander – der Kunde mit dem Liefe­ranten, aber auch Mitbe­werber mit Mitbe­werber.

Slow Fashion

Die konven­tio­nelle Mode unter­liegt extrem schnellen Zyklen – „Fast Fashion“ ist das Stich­wort. Abgemil­dert folgt die Modein­dus­trie zumin­dest den jahres­zeit­li­chen Saisons. Momentan hängt die Frühjahrs­kol­lek­tion in den Läden und lässt sich im Juni nicht mehr verkaufen. Das ist auch bei nachhal­tiger Mode nicht anders. Aller­dings sind die Modetrends weniger ausge­prägt, so dass man die aktuelle Ware auch im kommenden Frühjahr noch tragen kann. Der nachhal­tige Konsu­ment misst dem Modeaspekt etwas weniger Bedeu­tung zu und Grüne Mode ist zwar modisch aber tenden­ziell auch zeitloser, als konven­tio­nelle.

Die Stimmung

Natür­lich sind jetzt auch die Unter­nehmen aus der Natur­mo­de­szene gezwungen, ihre Betriebs­kosten zu senken, wenn sie überleben wollen. Dasbe­deuted Kurzar­beit, wenn die Situa­tion noch länger anhält sicher auch Entlas­sungen. Und natür­lich sind auch alle Nischen­markt­teil­nehmer zutiefst besorgt. Aber mit wem auch immer wir bisher gespro­chen haben, wir hören Geschichten zu Chancen, Dankbar­keit und Betriebs­sam­keit.

Einige sehen eine Chance im unfrei­wil­ligen Innehalten – dem Klima­schutz beispiels­weise ist diese Zwangs­pause durchaus zuträg­lich. Es besteht auch ganz konkret die Chance, den Modezy­klus jetzt einen Monat nach hinten zu verschieben und so wieder an die realen Gegeben­heiten anzupassen.

Dankbar sind viele IVN Mitglieder beispiels­weise darüber, dass sie ihren Sitz in Deutsch­land haben. Das Gesund­heits­system ist derzeit zumin­dest noch stabil und die schwarze Null befähigt unsere Regie­rung einen Rettungs­schirm aufzu­spannen. Dankbar sind auch viele über die Verbun­den­heit und das Vertrauen, das ihnen entge­gen­ge­bracht wird. Vom Endver­brau­cher über den Geschäfts­partner bis hin zum Vermieter, der lieber eine Mietfor­de­rung reduziert oder aussetzt, als einen langjäh­rigen Mieter zu verlieren.

Die Stimmung ist zwar angeschlagen, aber noch nicht im Keller. Es bleibt zu hoffen, dass alle bald wieder ihre Wirtschafts­tä­tig­keiten im normalen Rahmen aufnehmen können und die Privi­le­gien und Vorteile, die nachhal­tige Modebranche genießt ausreicht, damit alle möglichst unbeschadet durch diese Krise kommen.

© Foto: istock­photo

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