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Bambus und andere Viskosfasern

Immer wieder stößt man auf Loblieder auf Texti­lien aus Bambus. Mit wunder­baren Eigen­schaften wie “antibak­te­riell”, “atmungs­aktiv” oder “umwelt­freund­lich” werben Hersteller und Händler von so genannten Bambus-Texti­lien. Wenn es sich um Produkte aus echtem und unbehan­delten Bambus­fa­sern handelt, dann ist das auch absolut gerecht­fer­tigt. Aber diese gibt es kaum auf dem Weltmarkt. Meistens wird in einem aufwän­digen Verfahren unter Einsatz von Chemi­ka­lien Bambus­vis­kose herge­stellt — die dadurch die Eigen­schaften der wunder­baren Bambus­faser verliert.

Aus Bäumen wird Mode

Wie entsteht nun Viskose? Ausgangs­stoffe  sind  zellu­lo­se­hal­tige Rohstoffe, wie z.B. Holz, Bambus, Schilf, Stroh oder Mais. Auch die Kurzfa­sern der Baumwolle werden verwendet. Unter hohem Chemie-Einsatz kann daraus Mode werden, denn Zellu­lose ist eine der Gerüst­sub­stanzen, die die Zellen in Pflanzen so stabil macht. Diese Eigen­schaft lässt sich auch für die Faser­her­stel­lung nutzen.

Der Herstellungsprozess

Wie entsteht nun Viskose? Ausgangs­stoffe  sind  zellu­lo­se­hal­tige Rohstoffe, wie z.B. Holz, Bambus, Schilf, Stroh oder Mais. Auch die Kurzfa­sern der Baumwolle werden verwendet. Unter hohem Chemie-Einsatz kann daraus Mode werden, denn Zellu­lose ist eine der Gerüst­sub­stanzen, die die Zellen in Pflanzen so stabil macht. Diese Eigen­schaft lässt sich auch für die Faser­her­stel­lung nutzen.

Pflanzen bestehen nicht nur aus Zellu­lose, also muss diese zunächst von anderen Substanzen (Lignin, Harz, Wachs, Eiweiß, Lipide) getrennt werden. Heute löst man üblicher­weise diese sogenannten Holzbe­gleit­stoffe mit organi­schen Lösungs­mit­teln wie Methanol oder Ethanol. Übrig bleibt dann Zellstoff, eine feinfa­se­rige Masse, die vorwie­gend aus Zellu­lose besteht. Dieser Zellstoff ist dann Ausgangs­stoff zur Herstel­lung von Visko­se­fa­sern und wird zunächst in Natron­lauge getaucht. Dabei bildet sich Alkali­zel­lu­lose. Diese wird gepresst, um sie etwas zu trocknen, und danach zu einer krüme­ligen Masse zerfa­sert. Jetzt bleibt sie während der sogenannten Vorreife 1,5 Tage liegen. Im nächsten Arbeits­schritt wird die Alkali­zel­lu­lose einige Stunden lang mit Schwe­fel­koh­len­stoff umgesetzt. Cellu­losexan­t­ho­genat entsteht, eine orange-gelbe Masse.

Zur Herstel­lung der gewünschten Fasern muss jetzt die so genannte Spinn­lö­sung herge­stellt werden. Hierfür wird das erhal­tene Cellu­losexan­t­ho­genat wiederum in Natron­lauge gelöst. Die Lösung wird im Vakuum von Luft befreit und muss vor dem Verspinnen noch einige Tage nachreifen, wobei Polyme­ri­sa­tionen ablaufen. Die gereifte Spinn­lö­sung wird durch feine Düsen in ein Fäll- oder Spinnbad gepresst, das aus einer Lösung von Schwe­fel­säure besteht. Unter einer heftigen Geruchs­ent­wick­lung entsteht Schwefel, Schwe­fel­was­ser­stoff, Schwe­fel­koh­len­stoff, Natri­um­sulfat und — endlich — auch die gewünschte Visko­se­faser. Der Faden muss nun noch verstreckt, mit Gleit­mittel versehen und anschlie­ßend gewaschen und getrocknet werden,  um ihn von eben diesen gesund­heits­ge­fähr­denden Stoffen zu befreien. Anschlie­ßend kann er für verschie­dene Verwen­dungs­zwecke zu dickeren Fasern weiter­ver­ar­beitet werden.

Verbraucherschutz

Das Textil­kenn­zeich­nungs­ge­setz sieht für solche Produkte als einzige richtige Kennzeich­nung „Viskose“ vor. Der Verstoß gegen das Textil­kenn­zeich­nungs­ge­setz kann mit einer Geldstrafe geahndet werden, was aber größere Unter­nehmen häufig nicht abzuschre­cken vermag. Nur Trans­pa­renz und Offen­heit schaffen eine Vertrau­ens­grund­lage zwischen Geschäfts­part­nern, von der letzt­lich alle bis hin zum Kunden profi­tieren.

Die Tatsache, dass als Rohstoff für Viskose Pflan­zen­ma­te­rial verwendet wird, bedeutet also nicht, dass es sich dabei um eine Natur­faser handelt. Der Unter­schied von Viskose — einer sogenannten Regene­rat­faser — zu Natur­fa­sern liegt darin, dass Viskose erst nach aufwen­digen chemi­schen Umwand­lungs­pro­zessen versponnen werden kann. Durch die inten­sive chemi­sche Behand­lung verliert die Ausgangs­faser einen Teil ihrer natür­li­chen Eigen­schaften und eine zum Teil beträcht­liche Menge von schäd­li­chen Zwischen­pro­dukten entsteht. Schwe­fel­was­ser­stoff und Schwe­fel­koh­len­stoff sind Nerven­gifte und in gewissen Mengen tödlich. Schwefel­wasserstoff ist fast ebenso giftig wie Blausäure. Schwe­fel­koh­len­stoff ist darüber hinaus außer­or­dent­lich leicht entflammbar. Der immense Energie–  und Wasser­aufwand sowie die Belas­tung der Abwässer mit Chemi­ka­lien macht letzt­lich klar, dass Regene­rat­fa­sern keine Natur­fa­sern und schon gar nicht ökolo­gisch sinnvoll sind. Viskose ist leicht brennbar, eine Gefahr, die – vor allem bei Beklei­dung für Kinder – häufig unter­schätzt wird.

Fazit

Der Der Inter­na­tio­nale Verband der Natur­tex­til­wirt­schaft akzep­tiert Viskose, sei sie aus Bambus, Mais oder Holz, also nicht als Natur­faser und empfiehlt Verbrau­chern, die sicher gehen möchten, beim Hersteller direkt nachzu­fragen.