Home 5 Kurznachrichten 5 Anerkannte Standards können die Textilbranche nachhaltig weiterbringen

Den Inter­nationalen Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) errei­chen vermehrt Anfragen von Verbrau­chern und Publi­kums­me­dien zu Schad­stoffen in Texti­lien und Leder­pro­dukten. Dies ist eine Reak­tion auf vonein­ander abwei­chende Schad­stoff­grenz­werte, die verschie­dene Fach­zeit­schriften als Bewer­tungs­kri­te­rien bei Produkt­tests aufge­stellt haben. Für den Verbrau­cher stellt sich die Frage, welche Grenz­werte und Stan­dards maßgeb­lich sind.

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In letzter Zeit haben Test­ma­ga­zine vermehrt eigene Grenz­werte für schäd­liche Chemi­ka­lien defi­niert. Diese stimmen in der Regel nicht mit den Anfor­de­rungen unab­hän­giger und inter­na­tional aner­kannter Stan­dards überein und liegen teil­weise unter der Nach­weis­grenze, dem nied­rig­sten Wert, der im Labor­test nach­ge­wiesen werden kann. Solche Bewer­tungs­pa­ra­meter führen zu einer Desori­en­tie­rung des Verbrau­chers:

Einer­seits kann bereits die Lager­zeit von Produkten beim Händler dazu führen, dass solche will­kür­lich gesetzten Grenz­werte bei Tests über­schritten werden. Ande­rer­seits ist nicht anzu­nehmen und erst recht nicht nach­zu­weisen, dass eine solch geringe Menge einer Substanz irgend­welche Auswir­kungen auf Mensch und Umwelt hat. Dadurch verschiebt sich der Fokus von tatsäch­li­chen Gefähr­dungen hin zur reinen Spekulation.

Um welt­weit aner­kannte Stan­dards zu etablieren, die dem Verbrau­cher Trans­pa­renz und Orien­tie­rung bieten, stellt sich der IVN seit 25 Jahren der Diskus­sion mit Wissen­schaft, Indu­strie und Verbrau­chern. Die beiden verbands­ei­genen Siegel „NATUR­TEXTIL IVN zerti­fi­ziert BEST“ und „NATUR­LEDER IVN zerti­fi­ziert“ stellen eine umwelt­scho­nende, sozi­al­ver­träg­liche und verbrau­cher­freund­liche Herstel­lung von Texti­lien und Leder­waren sicher.

Darüber hinaus vergibt der IVN auch den „Global Organic Textile Stan­dard“ (GOTS), an dem er feder­füh­rend mit entwickelt hat. Mit diesen Stan­dar­di­sie­rungs­in­itia­tiven möchte der Verband die soziale und ökolo­gi­sche Verant­wortung der Textil­branche fördern. Der IVN warnt davor, dass will­kür­liche Bewer­tungs­me­thoden dem Trans­pa­renz­ge­danken und der Glaub­wür­dig­keit zuwi­der­laufen und Verbrau­cher irritieren.

Wie viel Wissen und Erfah­rung notwendig sind, um konsi­stente und in der Praxis einsetz­bare Grenz­werte zu entwickeln, zeigt das Beispiel einer Substanz­gruppe: Die halo­gen­or­ga­ni­schen Verbin­dungen (Adsor­bier­bare orga­nisch gebun­dene Halo­gene = AOX). „Adsor­bierbar“ bedeutet, dass Orga­nismen diese Substanz aufnehmen und einla­gern können. „Halo­genesind Fluor, Chlor, Brom oder Jod. Einige dieser Substanzen gehören zu den beson­ders gefähr­li­chen Umwelt­schad­stoffen und stehen im Verdacht, Krebs erzeugen zu können.

Die Stoff­gruppe der AOX umfasst neben gefähr­li­chen aber auch harm­lose Substanzen, die in der Natur vorkommen. In Tests wird AOX als Summen­pa­ra­meter und nicht diffe­ren­ziert nach einzelnen Substanzen erfasst. Diese Tests dienen als Indi­kator für Chlor­che­mi­ka­lien beispiels­weise bei Gewäs­ser­un­ter­su­chungen. Werden in einem AOX Test erhöhte Werte fest­ge­stellt, muss eine diffe­ren­zierte Analyse erfolgen. Die Aussa­ge­kraft über AOX als grund­sätz­li­ches Verbot ist in Fach­kreisen umstritten, da der AOX Test sowohl unschäd­liche Verbin­dungen als auch hoch­gif­tige Dioxine erfasst.

Insge­samt ist der summa­ri­sche AOX­-Wert wenig aussa­ge­kräftig und hilft nicht beim Produkt­ver­gleich. Der AOX-Summen­wert wird aber von einigen Fach­zeit­schriften in will­kür­li­cher Strenge fest­ge­setzt und als umwelt­schäd­lich bewertet. Quali­tativ hoch­wer­tige und vorbild­lich nach­hal­tige Produkte werden so mitunter als gefähr­lich stigmatisiert.

Exakt defi­nierte Richt­li­nien sind nach Über­zeu­gung des IVN ein sehr gutes Instru­ment, um nach­haltig Verbes­se­rungen zu erzielen. Auf einen Blick sicht­bare Kenn­zeich­nungen zerti­fi­zierter Textil-­ und Leder­pro­dukte, helfen dem Verbrau­cher sich schnell zu orientieren.

Die drei IVN­-Qualitätszeichen sind Prozess­stan­dards. Sie defi­nieren also nicht nur Schadstoff-Rückstände am fertigen Produkt, sondern stellen für jeden einzelnen Ferti­gungs­schritt Regeln auf, nach denen ein Textil bzw. Leder produ­ziert werden darf. Nur wenn jeder Betrieb in der Herstel­lungs­kette nach den IVN Richt­li­nien zerti­fi­ziert ist, darf das Endpro­dukt mit den Qualitäts­zeichen gekenn­zeichnet werden. Für die Textil- und Leder­in­du­strie sind die Qualitäts­zeichen des IVN derzeit die streng­sten und umfas­send­sten Stan­dards. Die Heraus­for­de­rung, diese Spit­zen­po­si­tion sicher zu stellen und gleich­zeitig die tech­ni­sche Umsetz­bar­keit der Anfor­de­rungen zu ermög­li­chen, ist Ziel und Heraus­for­de­rung für den Standardgeber.