Der offen­sicht­lichste Fehler ist der Redak­tion bei der Auswahl der Analy­se­ver­fahren unter­laufen. Im Fall Formaldehyd verwendet Öko-Test das Verfahren DIN ISO 14181–1 – das korrekte Verfahren für Leder ist aller­dings DIN ISO 17226–1.

Eine Überprü­fung der Testergeb­nisse nach den allge­mein anerkannten Verfahren ergab in einem Fall ein vollkommen anderes Bild als das publi­zierte.

Während Öko-Test in einem aus IVN NATURLEDER produ­zierten Schuh Formaldehyd zu finden glaubt, weist der Test eines unabhän­gigen Labors mit dem korrekten Leder­prüf­ver­fahren nach, dass diese Chemi­kalie nicht in dem geprüften Schuh ist. Auch Anilin wurde bei einer Gegen­kon­trolle durch ein unabhän­giges Prüflabor nicht in der Misch­probe des Schuhs gefunden.

 

Probate Grenz­werte sind eine kompli­zierte und komplexe Angele­gen­heit

Beim unabhän­gigen Verband IVN werden Grenz­werte von einem Richt­li­ni­en­aus­schuss definiert und bilden die Grund­lage für einige der strengsten Leder- und Textil­stan­dards: IVN NATURLEDER und IVN-BEST. Nicht so beim privat­wirt­schaft­lich organi­sierten Unter­nehmen Öko-Test. Hier verzichtet man auf ein teures Fachgre­mium – das Testde­sign wird von der stell­ver­tre­tenden Chefre­dak­teurin verant­wortet. In der Vergan­gen­heit hat mangel­hafte Recherche dabei leider immer wieder zu grotesken Produkt­be­wer­tungen geführt.

Der Richt­li­ni­en­aus­schuss erarbeitet Grenz­werte auf Grund­lage wissen­schaft­li­cher Erkennt­nisse und disku­tiert diese inter­dis­zi­plinär. Die Grenz­werte sind trans­pa­rent und öffent­lich zugäng­lich.

Der Inter­na­tio­nale Verband der Natur­tex­til­wirt­schaft (IVN) ist empört. Am 20. September 2013 veröf­fent­lichte das Magazin Öko-Test das Ergebnis einer Unter­su­chung von Krabbel­schuhen. Darin werden Lauflern­schuhe, die nach dem IVN NATURLEDER Standard produ­ziert sind, mit dem Gesamt­ur­teil ungenü­gend bewertet. Wie kommt das Magazin zu dieser Benotung?

Wieder­holt falsche Prüfver­fahren, nicht nachvoll­zieh­bare Grenz­werte sowie der Verzicht auf Bewer­tung von Produk­ti­ons­be­din­gungen machen uns fassungslos“, sagt Heike Scheuer, Leiterin der Geschäfts­stelle des Inter­na­tio­nalen Verbandes der Natur­tex­til­wirt­schaft (IVN). „Solche als unabhängig kaschierten Testergeb­nisse eines kommer­zi­ellen Magazins bringen niemandem etwas – weder den Vorrei­tern und Pionieren der Bio-Branche, noch den konven­tio­nellen Modekon­zernen. Sie machen die Verwir­rung der Verbrau­cher komplett und geben dem Magazin eine Daseins­be­rech­ti­gung – sonst nichts“, so Scheuer. Was führt den IVN zu diesem Urteil?

 

Öko-Test verwendet falsche Prüfver­fahren

und stellen einige der strengsten weltweit dar. So schreibt Öko-Test, dass IVN Standards Anilin zulassen würden – wahr ist hingegen, dass IVN NATURLEDER als einziger Standard Anilin überhaupt berück­sich­tigt und Grenz­werte definiert. Die Öko-Test Redak­tion ist dazu einge­laden, sich mit den Experten im Richt­li­ni­en­aus­schuss des IVN auszu­tau­schen. Vielleicht gelingt es so, in Zukunft realis­ti­sche Grenz­werte festzu­legen und eine Irrita­tion der Verbrau­cher zu vermeiden.

 

Testergeb­nisse ohne Vergleich­bar­keit und Aussa­ge­kraft

Öko-Testver­än­dert Grenz­werte zwischen Testreihen willkür­lich. So wurden jüngst solche Schuhe mit einer Abwer­tung bestraft, in denen PAK-Verbin­dungen (Polyzy­kli­sche aroma­ti­sche Kohlen­was­ser­stoffe) in einer Konzen­tra­tion von mehr als 0,2 mg/kg gefunden wurden. Im Lauflern­schuh-Test des Jahres 2011 hat das Magazin bereits ab einer Belas­tung von 0,1 mg/kg abgewertet. Die Bewer­tungs­me­thodik nicht nachvoll­ziehbar und intrans­pa­rent zu ändern, ist aller­dings nicht sachdien­lich. In letzter Konse­quenz nimmt man der Indus­trie so die Motiva­tion, sich zu verbes­sern – denn die bewer­teten Unter­nehmen wissen am Ende nicht, welche Parameter sie beachten sollen.

Noch paradoxer erscheinen sie, wenn man tiefer in die Materie einsteigt: Öko-Test analy­siert auf insge­samt 25 PAKs. Die Nachweis­grenze eines einzelnen PAK liegt bei 0,01mg/kg. In sachlich vertret­barer Form ist eine Abwer­tung also erst ab einer Gesamt­be­las­tung von 0,25mg/kg gerecht­fer­tigt. Öko-Test ignoriert dies.

 

Bei Öko-Test fehlt die Ganzheit­lich­keit

Was von seinem Namen her vorgibt, den ökolo­gi­schen Wert eines Produktes zu beurteilen, ist letzt­lich ein reiner Schad­stoff­test –die Umwelt­be­las­tung und Sozial­ver­träg­lich­keit der Produk­tion werden überhaupt nicht berück­sich­tigt. Der IVN vertritt in dieser Frage einen klaren Stand­punkt: Schad­stoff­prü­fung am Endpro­dukt und ein Input­verbot für gefähr­liche Substanzen in der gesamten Wertschöp­fungs- und Produk­ti­ons­kette gehören zusammen.

Schließ­lich wirken karzi­no­gene Substanzen für den Arbeiter in China genauso gesund­heits­schäd­lich wie für Verbrau­cher in Europa. Aktuell kann es dazu kommen, dass Öko-Test einen chrom­ge­gerbten Schuh besser bewertet, als einen Schuh aus Natur­leder. Und das, obwohl die Umwelt- und Gesund­heits­bi­lanz der Chrom­ger­bung verhee­rend ist. Nach Auffas­sung des IVN ist dies Verbrau­cher­täu­schung.

Trotz aller Kritik an der Umset­zung begrüßt der IVN die Bemühungen von Öko-Test – insbe­son­dere in der Schuh­frage. Denn während in der Beklei­dungs­in­dus­trie bereits anerkannte und weltweit etablierte Standards wie der GOTS (Global Organic Textile Standard) IVN BEST oder NATURLEDER bei Endpro­dukten erfolg­reich umgesetzt werden, gibt es keinen vergleich­baren Standard für Schuhe. Aller­dings arbeitet der IVN seit geraumer Zeit an einem Schuh­zer­ti­fikat, mit dessen Veröf­fent­li­chung in naher Zukunft zu rechnen ist.