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Ecofair zertifizierte Kleidung bei Discountern - Fluch oder Segen?

Immer häufiger werden mit Textil-Siegeln gela­belte Klei­dungs­stücke auf den Akti­ons­flä­chen von Aldi, Lidl & Co. ange­boten. Wie ist das Nach­hal­tig­keits-Enga­ge­ment zu bewerten? Mit dieser Frage­stel­lung hat sich der Inter­na­tio­nale Verband der Naturtextilwirtschaft IVN in anhän­gendem State­ment ausein­an­der­ge­setzt. Soviel vorab: Die Bewer­tung fällt durchaus positiv aus. Dennoch gibt es weiterhin jede Menge Argu­mente, warum sich der Kauf ecofairer Marken­mode bei den Spezia­li­sten aus dem Fach­handel statt beim Discounter lohnt. 

Die Ware erfüllt teils durchaus anspruchs­volle Stan­dards, darunter zum Beispiel die des GOTS. Günstige Preise, das wissen die Akteure, wecken bei kriti­schen Verbrau­chern (berech­tigte) Skepsis, da ist es nur klug, Zeichen zu setzen. Ecofaire Mode sollte zur Selbst­ver­ständ­lich­keit werden, das ist seit jeher Antrieb des IVN und seiner Mitglieder. Vor diesem Hinter­grund ist jedes entspre­chend zerti­fi­zierte Klei­dungs­stück, das konven­tio­nell produ­zierte Pendants ersetzt, ein posi­tiver Schritt. Ange­sichts ihres Waren­vo­lu­mens verfügen Discounter über große Hebel, Produk­ti­ons­struk­turen zu verän­dern und mit ihrer Nach­frage Entwick­lungen in die eine oder andere Rich­tung zu forcieren. Mehrere der großen deut­schen Prot­ago­ni­sten haben u.a. das sog. ‚Detox Commit­ment‘ unter­zeichnet, womit sie sich verpflichten, bis 2020 auf den Einsatz bestimmter schäd­li­cher Chemi­ka­lien in ihrer Textil­pro­duk­tion zu verzichten. Green­peace konsta­tierte unlängst, die Firmen seien auf einem guten Weg. Noch vor wenigen Jahren fiel das Urteil völlig anders aus. Es ist eine erfreu­liche Nach­richt, dass sich in Unter­nehmen immer flächen­deckender die Über­zeu­gung verbreitet, nach­hal­tiger agieren zu müssen, um wett­be­werbs­fähig zu bleiben.

Mit dem Enga­ge­ment rücken ecofaire Produkte zudem auch bei Discounter-Kunden ins Blick­feld. Hier kann sich beinahe jeder zerti­fi­zierte Klei­dung leisten, sie bleibt kein Privileg für Besser­ver­diener. Was den Kunden aber leider auch signa­li­siert wird: Ecofair kann billig sein. Das aber ist genau das falsche Signal. Nach­hal­tige Mode ist in der Herstel­lung mit höheren Kosten verbunden, weil sie eben nicht zu Lasten der mit ihr beschäf­tigten Menschen und der Umwelt geht. Diese Wertig­keit vermit­teln die Discounter den Kunden an ihren Aktions- und Wühl­ti­schen, an denen quasi im Vorbei­gehen zuge­griffen wird, leider nicht. Auch die von hoher Markt­macht geprägte Einkaufs- und Preis­po­litik bleiben proble­ma­tisch. Die großen Ketten können aufgrund ihrer Order­mengen günstigste Preise bei Produ­zenten verhan­deln. Sie können problemlos bestimmte Waren quer­sub­ven­tio­nieren, Margen klein halten und dennoch Geld verdienen.

www.maas-natur.de 2017

Klar ist auch: Discount-Ware bleibt Massen­ware. Preis- und Quali­täts- bezie­hungs­weise Nach­hal­tig­keits­füh­rer­schaft sind nicht gleich­zeitig vereinbar. Es sind und bleiben die oftmals kleinen Marken und Fach­han­dels­un­ter­nehmen, die ecofaire Mode mit der höch­sten Konse­quenz leben sowie umsetzen. Sie richten ihr gesamtes Sorti­ment ganz­jährig entspre­chend aus, während die Discounter bis dato ledig­lich ab und an mit einzelnen Aktions-Arti­keln auf sich aufmerksam machen. Nach­haltig spezia­li­sierte Brands und Concept Stores pflegen zudem persön­liche Geschäfts- und Kunden­be­zie­hungen. Sie stellen perma­nent jedes Detail auf den Prüf­stand, wobei sie die Ökobi­lanz des einge­setzten Mate­rials und die Arbeits­be­ding­ungen in den Betrieben ebenso intensiv betrachten wie sie auf möglichst kurze Trans­port­wege achten. Über die Hinter­gründe zum Werde­gang der Klei­dung berichten sie kompe­tent und trans­pa­rent. Im Fach­handel werden die beson­deren Produkte über­dies emotional präsen­tiert und von einer gehalt­vollen Bera­tung sowie Wohl­fühl-Atmo­sphäre begleitet, die nicht selten eine Tasse Fair­trade-Kaffee für die Kunden einschließt. Auf diese Weise wird der wahre Wert ecofairer Mode an den Mann und an die Frau gebracht. Ganz nach dem Motto von Desi­gnerin Vivi­enne West­wood: „Buy less, choose well, make it last.“

  1. Marlowe Nature
  2. Fair­tragen
  3. Mass Natur

Abdruck hono­rar­frei.

Hoch­auf­ge­löste Bild-Dateien auf Anfrage.

Pressemitteilung

Internationaler Verband der
Naturtextilwirtschaft e.V.

 

 

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